Menschenwürde (Art. 1 GG)

(Letzte Aktualisierung: 21.04.2021)

Art. 1 des Grundgesetzes

(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.


Die Würde des Menschen ist angeboren und Grundlage der gesamten Rechtsordnung.
Die Würde des Menschen ist angeboren und Grundlage der gesamten Rechtsordnung.
Die Menschenwürde ist nach allgemeiner Auffassung nicht (nur) ein normales Grundrecht, sondern Fundament der staatlichen Rechtsordnung der Bundesrepublik. Damit grenzt sich das Grundgesetz schon in seinem ersten Satz deutlich vom Nationalsozialismus ab, der die Menschenwürde in vielerlei Hinsicht ignorierte oder leugnete. Wie sich aus Abs. 2 ergibt, ist die Menschenwürde auch die Begründung dafür, die weiteren Grundrechte anzuerkennen.

Menschenwürde ist schwer zu definieren

Dabei ist Menschenwürde schwer zu definieren. Als Würde des Menschen bezeichnet man gemeinhin den unveräußerlichen Eigenwert des Menschen. Menschenunwürdig ist es daher, wenn der Staat eine Person als reines Objekt seines Handelns sieht und ihm keine Achtung entgegenbringt. Das ist bspw. dann der Fall, wenn eine Person zur Sache erklärt wird (Sklaverei), wenn ihm das Existenzminimum entzogen wird oder er gefoltert oder in anderer Weise menschenunwürdig behandelt wird. Eine Entscheidung im Einzelfall ist dabei sehr schwierig.

Da ein Eingriff in die Menschenwürde – im Gegensatz zu den gewöhnlichen Grundrechten – unter keinen Umständen gerechtfertigt werden kann, ist eine solche Handlung des Staates stets unrechtmäßig. Dies führt aber wiederum dazu, dass die Menschenwürde relativ eng ausgelegt wird.

Unterschiedliche Schutzrichtungen

Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts  zum Umfang der Menschenwürde ist grundsätzlich restriktiv.
Die Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts zum Umfang der Menschenwürde ist grundsätzlich restriktiv.
In der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ist eine gewisse Tendenz zu beobachten, dass die Menschenwürde selten zur Abwehr staatlicher Eingriffe durch den Betroffen taugt, dafür aber häufig herangezogen wird, wenn der Staat bestimmte Handlungen verbieten will. So sollen bspw. Peep-Shows oder der „Zwergenweitwurf“ unzulässig sein, weil sie die Menschenwürde der Tänzerinnen bzw. Kleinwüchsigen verletzen, obwohl diese Personen selbst keinen Anstoß daran genommen haben.

Die Menschenwürde muss zwar immer kurz angeprüft werden, wenn eine Verfassungsbeschwerde geplant wird. In der Regel wird man sich aber auf andere Grundrechte konzentrieren müssen.

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